Das deutsche Recyclingsystem – eine Mogelpackung?

Der BPVV plädiert vor dem Hintergrund der u.a. im SPIEGEL 4/2019 geäußerten Kritik am deutschen Recyclingsystem für eine sachliche und differenzierte Berichterstattung. „Eine einseitige und auf Emotionalisierung ausgerichtete Darstellungsweise wird weder den komplexen Mechanismen des globalisierten Abfallmarktes gerecht, noch den speziell in Deutschland erzielten Erfolgen bei der Etablierung einer ökonomisch tragfähigen Kreislaufwirtschaft“, erklärt Martin Schröder, Geschäftsführer des BPVV. „Dabei können wir hierzulande auf eine bald nunmehr 30 Jahre praktizierte Produktverantwortung zurückblicken, die es uns unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ermöglicht hat, ein kostenoptimales und leistungsstarkes Entsorgungssystem aufzubauen. Damit zeigen wir, dass Umweltschutz und wirtschaftliche Interessen keine Gegensätze darstellen, sondern sich gewinnbringend für alle Beteiligten in Einklang bringen lassen.“

In der Bundesrepublik werden Verpackungsabfälle aus Kunststoff heutzutage nahezu vollständig verwertet. Rund die Hälfte dieser Abfälle wird dem Recycling zugeführt – im Jahr 2016 waren es lt. BMU mehr als 50 %. Nur ein relativ überschaubarer Anteil wird zur Wiederverwertung ins Ausland exportiert. Exporte aus Abfällen, die in gelber Tonne oder gelbem Sack gesammelt werden, waren verschwindend gering.

„Der BPVV würde es begrüßen, wenn Medien – anstatt mit tendenziösen Informationen und Pauschalisierungen Verunsicherung und Ressentiments zu schüren – die Bürger über derart komplexe Zusammenhänge aufklären und dafür sensibilisieren würden, inwiefern Abfall und Ressourcenschutz ein gesamtgesellschaftliches Anliegen darstellen, das nur durch gemeinsame Kooperation zu stemmen ist“, so Schröder weiter. „Dazu gehört eine abwägende Diskussion über die wirtschaftlichen und legislativen Hebel, mit denen die Produktverantwortung von Industrie und Handel weiter gestärkt werden kann. Dazu gehört aber auch die unmissverständliche Botschaft an die Verbraucher, dass die richtige Trennung der Wertstoffe zuhause die Grundvoraussetzung für höhere Recyclingquoten und hochwertige Recyclingprodukte ist.“

 

Hintergrund:
Die Kunststoffverpackung und ihre Entsorgung sind zuletzt in den Fokus einer scharfen medialen Kritik geraten. Die Industrie bringe gegen den Willen des Verbrauchers zu viel überflüssige Verpackung in Umlauf; die Abfalltrennung sei erlässlich, weil sämtlicher Plastikmüll hierzulande ohnehin verbrannt werde; auf dem internationalen Abfallmarkt sei Plastikabfall zum begehrten Objekt dubioser Geschäftemacher geraten, lande auf illegalen Deponien in Entwicklungsländern und verschmutze schließlich die Weltmeere, so die gängigen Verallgemeinerungen. Nachzulesen etwa in:

Mogelpackung. Von wegen Vorreiter: Deutschlands Recyclingsystem ist Müll“, Spiegel Titelstory vom 19.01.2019

Vermülltes Idyll“, Süddeutsche Zeitung vom 19./20.01.2019

Kollektiver Selbstbetrug“, Süddeutsche.de vom 30.12.2018

Die Behauptungen der Spiegel-Reportage im Faktencheck des BMU:
https://www.bmu.de/meldung/das-bmu-klaert-auf-zum-thema-plastikrecycling/