Mehr Rezyklat-Einsatz: Politik zum Handeln aufgefordert

Berlin, 10. April 2019 – Wie kann man Rezyklaten wirtschaftlich sinnvoll zu mehr Anwendung verhelfen und die angebots- und marktseitigen Hemmnisse überwinden, die der Stärkung der Kreislaufwirtschaft bislang im Weg stehen? Mit dieser Frage befasste sich am 10. April der Umweltausschuss des Deutschen Bundestages gemeinsam mit den geladenen Sachverständigen aus Kunststoffindustrie, Kreislaufwirtschaft und Wissenschaft. Sekundärkunststoffe stehen in ihrer Qualität bereits heute der Neuware in nichts nach, jedoch leiden sie gegenüber letzterer unter Preisnachteilen von bis zu 25 %, erklärte DSD-Geschäftsführer Michael Wiener. Um Abnahmegarantien für Rezyklat-Hersteller sicherzustellen und Investitionen anzukurbeln, fordert er eine verbindliche Quote für den Rezyklat-Einsatz in Produkten und Verpackungen. So solle zeitnah eine Vorgabe von 20 % bis 2020 festgelegt werden, die bis 2023 auf 30 % und bis 2025 auf 40 % erhöht werden könne. Isabell Schmidt von der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen betonte, dass sich die Verpackungshersteller freiwillig auf eine Erhöhung des Rezyklate-Einsatzes verpflichtet hätten. Sie mahnte jedoch, die Qualität nicht den Mengen unterzuordnen und eine funktionierende Nachfrage für Rezyklat-Produkte sicherzustellen. Bvse-Geschäftsführer Eric Rehbock kritisierte den teilweise sehr hohen Störstoffgehalt von bis zu 60 % bei der Sortierung von Abfällen aus dem Gelben Sack, der zu Mehrkosten und Qualitätseinbußen bei der Rezyklat-Produktion führe. Im Zusammenhang mit der Mindestrezyklatquote regte Rehbock an, drei Qualitätskategorien für die Verwendung von Rezyklaten zu definieren: Lebensmittel, Kosmetika und Reinigungsmittel. Aus wissenschaftlicher Perspektive plädierte Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie für einen Mix aus marktbasierten und fiskalen Incentivierung- und Steuerungsmaßnahmen, der in einer nationalen Kunststoffstrategie zusammengefasst werden soll. Die Mindestrezyklatquote stelle ein wichtiges Instrument dar, sei jedoch nach Möglichkeit zeitlich zu begrenzen, um mittelfristig ein sich selbst tragendes System zu erhalten. Zudem müsse der bisherige Fokus auf die Optimierung der Einzelschritte im Stoffkreislauf auf den Ausbau von Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verlagert werden, um der Ressourcenschonung Rechnung zu tragen. „Das Fachgespräch hat abermals gezeigt, dass alle wirtschaftlichen Akteure sich ausdrücklich zu einem ambitionierten Ausbau der Kreislaufwirtschaft bekennen und bereit sind, ihn mit Investitionen und der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle voranzutreiben“, kommentiert Martin Schröder, Geschäftsführer des BPVV. „Die Politik muss jetzt die rechtlichen Weichen für mehr Rezyklate-Einsatz stellen und gewährleisten, dass die Bemühungen der Unternehmen nicht dort ins Leere laufen, wo ihre Einflussmöglichkeiten beschränkt sind – etwa beim Verbraucher oder in der kommunal betriebenen Sammlung. Zudem ist darauf zu achten, dass bei der Ausgestaltung der politischen Instrumente einseitige Belastungen vermieden werden. Auflagen und Verpflichtungen dürfen nicht zulasten einer bestimmten Gruppe gehen, sondern müssen allen am Stoffkreislauf beteiligten Akteuren den benötigten Freiraum für ihre Investitionsentscheidungen lassen.“